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Cornelia Kempf       

 

 

 

 

 

 

Gedenke des Todes

Römer, gedenke deines Todes - Dieser Spruch ist uns allen wohl bekannt. Nachdem Gladiatoren das unmittelbare Ende stets vor ihren Augen hatten, mußte diese Erinnerung für sie wie ein Damoklesschwert über ihnen gehangen haben.

Jeder Kämpfer wußte, was auf ihn zukam, wenn er eine Niederlage erlitt und das Volk keine Gnade zeigte. Für uns ist es heute unverständlich, wie Tausender von Menschen so bedingungslos in den Tod gingen. Nachdem es in einigen Religionen kein Paradies gab -  viele Römer übernahmen den Glauben an die Unterwelt, an den Hades, der alles andere als ein Paradies war - ist es doppelt so schwer sich vorzustellen, was diese Menschen in der Stunde ihres Todes dachten.

Sicherlich hatten diese Kampfmaschinen Angst, wenn ihr unmittelbares Ende bevorstand - was nur allzu menschlich ist. Doch die Angst davor, sich zu blamieren, gar zu winseln, oder um sein Leben zu flehen wenn der Gegner den letzten Hieb ausführte, war noch viel stärker.

Mit Sicherheit blickten die meisten Gladiatoren gefaßt ihrem eigenen Ende entgegen, was sollte man schon an dem Unvermeindlichem ändern? Der Tod war zu der damaligen Zeit ein ständiger Begleiter der Menschheit und es war bei weitem nicht die schlimmste Art, durch das Schwert zu sterben. Viele erreichten nicht einmal ihr dreißigstes Lebensjahr und ab vierzig wurde man schon als Greis bezeichnet. Die Lebensspanne der Gladiatoren war kurz und daher wollten sie nach Möglichkeit das Beste daraus machen. Selbst bei einer Niederlage unterdrückten die Kämpfer all ihre Ängste und nahmen ohne Klage ihr Ende und damit ihre "Hinrichtung" hin.

Für die Römer war der ehrenvolle Tod eines Gladiators hoch angesehen. In den letzten Atemzügen ihres Lebens muß dieses Wissen für die Gladiatoren, die ja zumeist Sklaven waren, eine gewisse Befriedigung gewesen sein, ehrenvoll vor den Augen von Tausenden zu sterben und so zu zeigen, daß sie mehr wahren, als Sklaven. Viele antike Dichter hatte in ihren Schriftstücken davon berichtet, wie mutig und stolz ein Kämpfer seinem eigenen Ende begegnete. Wenn nach einem Gefecht das Ende eines Mannes abzusehen war, hielten die Zuschauer den Atem an. Die Szenen, die sich in so einem Fall abspielten, sind vermutlich ähnlich den gespielten Todesszenen im heutigen Fernsehen. Auch ein unterlegener Gladiator spielte über seine eigene Angst hinweg und zeigte sich tapfer, als könne ihm nichts geschehen. Nur gab es damals keine Stuntmen, die für die Stars ihren Kopf hinhielten.

 

 (c) Cornelia Kempf
online seit: 01. Januar 2001
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