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Cornelia Kempf       

 

 

 

 

 

 

Brot und Spiele für das Volk

Nachdem sich die munera in die Spiele, die ludi, verwandelt hatte, wurde aus dem ehemaligen Totenkult der Etrusker eine öffentliche Veranstaltung für das Volk.

Die zum Teil verheerenden Zustände in Rom waren für den Staat Grund genug, nicht nur die Spiele, sondern auch Lebensmittel zu finanzieren. Mangelnde Hygiene, die große Armut in manchen Teilen der Stadt und die regelmäßigen katastrophalen Brände in den Bezirken, machten das Volk unzufrieden. Es brodelte an allen Ecken und Enden, vorallem jedoch in den unteren Schichten der Gesellschaft, der Masse. Wollte der Staat nicht untergehen, mußte für die Massen nicht nur für Kurzweil gesorgt werden, sondern auch für ausreichend Nahrung.

Daher wurde meistens während einer Veranstaltung auch Brot - panem - in die Menge geworfen. So konnte man sich das Ausgeben von Lebensmitteln an öffentlichen Stellen ersparen. Im Kolosseum zum Beispiel konnten bis zu 50.000 Bürger zugleich versorgt werden.

Obwohl der Staat nicht wenig Gelder für die Ausstattung der Spiele und der Verteilung von Nahrung zur Verfügung stellte, war es dennoch üblich, daß auch bemittelte Privatpersonen kostspielige ludi ausrichteten. Viele Senatoren machten sich durch aufwendige Spiele beim Volk beliebt, engagierten hunderter Gladiatoren, um die Massen zu unterhalten.

Doch das reine Blutvergießen zwischen Männern, der eigentliche Gladiatorenkampf, reichte nicht mehr aus. Nachdem im ganzen Land zahlreiche Amphitheater gebaut wurden, wollte der Mob auch Abwechslung. Die neu errichteten Arenen boten eine Vielzahl an Möglichkeiten.

Zur Perfektion hat es das heutige Kolosseum - das erst im Mittelalter so benannt wurde und nach der Fertigstellung im Jahre 80 n.Chr. keinen Namen trug, sondern nur flavium amphitheatrum genannt wurde - gebracht. Mit den neuesten technischen Raffinessen der damaligen Zeit ausgestattet, bot das Kolosseum die Möglichkeit für alle Arten von Spielen.

Neben den Gladiatorenkämpfen wurden dort auch Tierhetzen veranstaltet. Bei solchen venatio bestiae wurde nicht selten eine richtige Landschaft nachgestellt. Boxkämpfe und Ringer bereicherten das Programm, wobei die Bandagen bei den Boxkämpfen nicht gerade locker gewickelt waren. Zum Teil wurden dort sogar Eisenringe eingesetzt. Schlachten zu Pferd waren ebenfalls eine beliebte Darbietung während der Spiele.

Angeblich konnte man das Kolosseum auch mit Wasser fluten und in dieser überdimensionalen Badewanne wurden dann Seeschlachten abgehalten. Aus verschiedenen Quellen ist dies jedoch nicht bestätigt. Vermutlich wurden solche naumachiae doch eher auf Seen, Flüssen oder vielleicht sogar in Küstennähe abgehalten.

Die Hinrichtung von Verurteilten stand ebenfalls zu jeder angesetzten Veranstaltung auf dem Programm. Obwohl die Technik der Amphitheatern alle möglichen Arten von spectaculum bieten konnte, waren doch weiterhin die Gladiatorenkämpfe der Höhepunkt jeder ludi.

Das "Hollywood" der Antike verschlang Unsummen von Geldern, die zum größten Teil vom Staat finanziert wurden. Das Spektakel um die Spiele war ein Millionengeschäft und gab unzähligen Menschen Arbeit. Neben dem Militär wurden für die ludi und die Ausbildung der Kämpfer am meisten Staatsgelder verschwendet. Viele profitierten von diesem Geschäft und eine florierende Industrie bildete sich rund um das Gladiatorenwesen.

DAS ENDE DER SPIELE:

Die Römer gingen nicht zimperlich mit Mensch und Tier um. Im Laufe der Jahrhunderte fanden Millionen von Menschen und Tieren ein grausames und blutiges Ende, nur zur Erheiterung der Massen. Als Kaiser Constantinus II  im Jahre 357 n.Chr. die Spiele zum ersten Mal verbot, wurden diese jedoch noch bis 404 n.Chr. vom Staat toleriert und regelmäßig veranstaltet. Immerhin hatten sich die Gladiatorenspiele über Jahrhunderte hinweg in die Köpfe der Bürger eingenistet - es war zu einer blutigen Tradition geworden. Erst das Dekret von Kaiser Honorius im Jahre 404, besiegelte das endgültige Aus der öffentlichen Spiele. Grund war der Tod des Mönches Telemachos, der während einer ludi in die Arena stieg, um diesem Wahnsinn ein Ende zu bereiten und die Massen an die Sinnlosigkeit dieser Unterhaltung zu ermahnen. Der aufgebrachte Mob lynchte den Geistlichen und Telemachos starb. Durch diesen Vorfall ließ Honorius die Spiele für immer verbieten, aber dennoch wurden in geheimen Hinterhöfen, an verborgenen Schauplätzen wohl noch bis ca. 500 n.Chr. Gladiatorenkämpfe abgehalten. Aber der Einfluß des Christentums war nicht aufzuhalten und machte dieser Art von Unterhaltung endgültig den Garaus. Aber wie es scheint erinnerte sich das Christentum dann doch dieser Tradition und funktionierte diese blutigen Form von Strafe um und schrieb ein weiteres düsteres Kapitel: Die Inquisition.

 

 (c) Cornelia Kempf
online seit: 01. Januar 2001
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